Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Ortsgruppe Panketal

Das Bild zeigt eine Gruppe von Radfahrern auf einer städtischen Straße. Sie stehen hintereinander auf ihren Fahrrädern und tragen teils Helme sowie Rucksäcke. Links sind Wohnhäuser, rechts eine Backsteinmauer und der Bernauer Gaskessel (ein großes, blaues, rundes Industriegebäude) zu sehen. Das Wetter ist sonnig und freundlich.

Fahrraddemo für bessere Bedingungen für den Radverkehr in Bernau © Mike Kraschinski

Bernauer Bürgermeister verwundert über Ergebnis des Fahrradklimatests

ADFC Panketal nimmt Stellung zum MOZ-Artikel "Radfahren in Bernau: Zu wenig Engagement für Radfahrer? Bürgermeister wehrt sich" vom 13. August 2025

Es ist in Ordnung, wenn Bürgermeister André Stahl nur ‘ab und zu’ aufs Fahrrad steigt. Aber sicher gibt es aber auch in seiner Verwaltung Mitarbeitende, die das regelmäßig tun, zum Beispiel für die Fahrt zur Arbeit. Herr Stahl hätte sicher die Möglichkeit, sich das schlechte Abschneiden Bernaus beim Fahrradklimatest von „passionierten Radfahrern“ aus dem eigenen Haus erklären zu lassen. Vermeintliche Verbesserungen entpuppen sich nämlich schnell als untauglich, wenn man sie mit dem Rad „erfährt“.

Die ADFC-Ortsgruppe der Nachbargemeinde Panketal nimmt zu den von Bürgermeister André Stahl genannten Verbesserungen im Radverkehr wie folgt Stellung und ergänzt mit konkreten Hinweisen auf die tatsächlichen Schwachstellen der Infrastruktur:


Verbindungen nach Schönow, Zepernick, Schwanebeck

  • Entgegen der Behauptung im Artikel der MOZ wurde innerhalb der Ortschaft an keiner der genannten Strecken ein Radweg geschaffen, sondern lediglich die Gehwege mit Zusatzzeichen „Radverkehr frei“ gekennzeichnet – und das auch nur auf einer Straßenseite. Dies ist keine zeitgemäße, komfortable und sichere Lösung für Radfahrende, da es zu Konflikten mit Fußgängern führt und den Anforderungen moderner Radverkehrsführung nicht entspricht. Stattdessen werden Radfahrende, die schneller, als mit der dort erlaubten Schrittgeschwindigkeit unterwegs sein wollen, auf der Fahrbahn angehupt und bedrängt, weil sie ja auf den vermeintlichen Radweg gehören. Hier wird Rad- gegen Fußverkehr ausgespielt. Durch die Freigabe linksseitiger Gehwege im städtischen Gebiet kommt es zu zusätzlichen Konflikten mit ein- und abbiegendem Verkehr, was sich in der Schönower Straße mit trauriger Regelmäßigkeit in Unfällen mit Personenschäden auswirkt.
  • Außerhalb der Stadt entspricht der einseitige gemeinsame Geh- und Radweg an der L200 immerhin den Mindestanforderungen und stellt eine sichere und komfortable Verbindung nach Schwanebeck her.

Verbindung Bernau – Biesenthal

  • Der angeführte Weg entspricht den Mindestanforderungen, ist aber offensichtlich nicht sicher genug, wie sich erst vor einigen Monaten – wenn auch außerhalb des Bernauer Gebietes – durch einen tödlich verlaufenden Verkehrsunfall gezeigt hat.

Beleuchtung Bernau – Börnicke

  • Trotz Beleuchtung ist diese Strecke ein Beispiel für besonders schlechte Fahrradinfrastruktur. Auf der gesamten Strecke handelt es sich hier ebenfalls lediglich um Gehwege mit „Radverkehr frei“ und nicht um eigenständige Radwege. Zudem erschweren Umlaufsperren die Durchfahrt und schaffen weitere Gefährdungen für den Radverkehr. Außerorts ist die Freigabe von Gehwegen für den Radverkehr kontraproduktiv, weil schnellere Radfahrerinnen und Radfahrer völlig unnötig auf die Fahrbahn gedrängt werden. Die bloße Beleuchtung löst nicht die grundsätzlichen Infrastrukturprobleme.

ProblemzoneInnenstadt 

  • Die kritische Situation für Radfahrende in der Innenstadt wird nicht konsequent angegangen. Politischer Wille könnte durchaus Handlungsspielraum schaffen. So könnten Einbahnstraßen für den Radverkehr in beide Richtungen geöffnet werden, wie es die StVO als Regelfall vorsieht. Verkehrsraum lässt sich anders aufteilen – warum soll ausgerechnet für das schmale Fahrrad kein Platz sein? Kopfsteinpflaster lässt sich fahrradfreundlich ebnen. Wie schön und zweckmäßig Kopfsteinpflasterstraßen gestaltet werden können, zeigen beispielhaft die Innenstädte von Halle und Schwerin.

Fahrradabstellanlagen

  • Einen Lichtblick stellt der Bau zeitgemäßer Abstellmöglichkeiten, wie an der Sparkassen-Arena dar. Diese sollten allerdings eine Selbstverständlichkeit sein. Die Nachbargemeinde Panketal stellt das seit Jahren durch die Stellplatzsatzung sicher. Wichtig ist ein systematischer Ausbau an allen zentralen Orten und die Einhaltung moderner Standards.

Fazit 

Die im Artikel genannten Maßnahmen stellen aus Sicht des ADFC Panketal keine substantiellen Verbesserungen für den Radverkehr dar, sondern sind Mindest- oder Scheinlösungen, die den modernen Anforderungen nicht genügen. Gehwege für den Radverkehr freizugeben, ist keine Verbesserung! Diese Maßnahme soll davon ablenken, dass tatsächlich nichts für den Radverkehr getan wird. Im Ergebnis führt dies zu Nachteilen für den Rad- und Fußverkehr.

Die deutliche Abwertung Bernaus im Fahrradklima-Test ist nachvollziehbar und entspricht den Alltagserfahrungen der Radfahrenden vor Ort. Die Stadt muss deutlich mehr tun, damit Bernau sicher und attraktiv mit dem Rad erlebt werden kann.

Panketal hat übrigens im Fahrradklimatest 2024 mit einem Wert von 3,91 nur unwesentlich besser abgeschnitten. Die Tatsache, dass Panketal sich ein professionell erstelltes Radverkehrskonzept gegeben hat, lässt immerhin auf echte Verbesserungen hoffen.

Der Fahrradklimatest 2024 zeigt deutlich, dass sich Investitionen in eine fahrradfreundliche Infrastruktur lohnen. Wo sichere und komfortable Rad- und Fußwege vorhanden sind, werden diese auch von mehr Menschen genutzt. Das wirkt sich nicht nur positiv auf die Lebensqualität einer Stadt aus, sondern hat auch positive gesundheitliche Effekte auf die Bewohner, schont das Klima und verringert Lärm sowie Abgase. 

Ein Blick in die Ergebnisse vergleichbarer Städte könnte für Bernau zur Inspiration werden. Die Stadt Rheinbach ist der Aufsteiger in den Städten bis 50.000 Einwohner, auch so kann es gehen. In Baunatal, Meckenheim und Ettlingen lässt sich erleben, wie das Fahrrad integraler Bestandteil des Verkehrsverbundes und des Alltagslebens einer Stadt und ihrer Umgebung sein kann.

https://panketal.adfc.de/pressemitteilung/bernauer-buergermeister-verwundert-ueber-ergebnis-des-fahrradklimatests

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